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Die „Geburtsstunde" neuer Stars
Bereits in der 1. Staffel bestach Prison Break durch einen durch und durch konstruierten und komplexen Handlungsverlauf unterteilt in zwei verschiedene Handlungsstränge (Handlung innerhalb und außerhalb des Gefängnisses) inklusive überraschenden Wendungen. Da außer Stacy Keach (Direktor Pope) , Dominic Purcell (Lincoln) und Peter Stormare (John Abruzzi) vorher keiner des Casts mit Auftritten in Block Blustern auf sich aufmerksam machen konnte, wurden durch Prison Break reihenweise neue Stars „geboren" , u.a. Robert Knepper (T-Bag) und Wentworth Miller wurden (vor allem bei den Frauen) zum Kult.
Season II: Alt bewährtes bleibt: Neue Schurken kommen hinzu
Nun in Staffel 2 knüpfen die Macher nahtlos an ihren Erfolg der 1. an. Diese 23 Episoden bieten alles, was eine starke Serie zu bieten hat: Eine gute Story mit vielen Wendungen, eine Menge offener Fragen, die nur zum Teil beantwortet werden, eine authentische Liebesbeziehung, nicht nur einen sondern eine ganze Reihe an Bösewichten, die man entweder noch gar nicht kennt (der stumme Company-Mann), hasst (Bellick), gar den Tod wünscht (KIM), für die man auf einmal Verständnis oder Mitleid hat (Mahone, Präsidentin, Kellerman) oder sogar sympathisiert (Wer lacht nicht bei T-Bag oder ist sogar fasziniert von ihm?).
Nicht zu vergessen sind die uns schon bekannten Hauptdarsteller, mit denen man sich voll identifiziert. Die männlichen Zuschauer wollen so sein wie Michael, die Frauen finden ihn scharf (bei Sarah ist es andersrum). Den lustigen und gleichzeitig etwas tollpatschigen Sucre schließt jeder Zuschauer (egal, ob Männlein oder Weiblein) direkt in sein Herz.
Nach dem Ausbruch: Neue Gegebenheiten
In der 2. Staffel tritt eine neue Situation ein: Da die Charaktere ausbrechen, fällt Fox River (mit Ausnahme von Bellicks Inhaftierung) als Location logischerweise weg, dafür verfolgen wir jetzt alle Mitglieder der ,,Fox River 8" auf ihrem Weg in die Freiheit. Michael und Linc dürfen bei ihrem Kampf allerdings keine Hilfe mehr von Nick Savrinn und Veronika Donovan erwarten, da sie beide kurz vor der Befreiung Steadmans (der noch lebt) der Company zum Opfer fallen. Infolgedessen erleben sie ein Auf und Ab der Gefühle: Die 5 Millionen Dollar, die Westmoreland einst stahl, werden gefunden, diese gehen ihnen allerdings durch die Lappen.
Seitdem liegt die Priorität auf der Flucht nach Panama. Dabei bekommen sie zwischenzeitlich unerwartete Hilfe: Denn Burrows sen. ist doch nicht so tot wie man gedacht hatte. Jedenfalls versuchen er und sein Team (das L.J. bei sich aufnimmt) Michael und Lincoln so gut zu unterstützen, wie es geht. Dies endet allerdings darin, dass Aldo Burrows in den Armen von Michael stirbt.
Der Weg der Brüder: Up's and Down's
Nun ändert sich der Plan der beiden Brüder: Eine Flucht ist nun kein Thema mehr, stattdessen wollen sie die Flucht nach vorn. Sie wollen die Unschuld Lincolns beweisen und bauen dabei auf die Hilfe von Kellerman, der von der Company fallengelassen wurde, da er es nicht schafft, Sarah zu töten. Diese stößt später auch zum Trio, was logischerweise für Spannung zwischen ihr und Kellerman sorgt. Nachdem sie einen Beweis von Lincolns Unschuld gefunden haben (den sie brauchten, da sie zunächst Terrence Steadman kidnappen: Dieser tötet sich allerdings später selbst), trennen sie sich von ihm.
Sie erfahren dann, dass dieser vermeintliche Beweis wertlos ist. Doch Michael gibt nicht auf: Der Beweis, ein USB-Stick, enthält brisantes Material über private Angelegenheiten der Präsidentin, mit der er es schafft, sie zu erpressen und gar eine Begnadigung zu erwirken. Doch Prison Break wäre nicht Prison Break, wenn nicht alles doch ganz anders käme: Kurz vor der Pressekonferenz, auf der die Begnadigung bekannt gegeben werden soll, erfährt die Präsidentin, dass auch die Company von ihrem dreckigen kleinen Geheimnis weiß: Präsidentin Reynolds sieht jetzt keine andere Möglichkeit, als zurückzutreten. Dies lässt auch für die Brüder nur eine Möglichkeit zu: Die Flucht nach Panama - und das mit Sarah.
Diese wird jedoch vom FBI gefasst und angeklagt, später jedoch durch die überraschende Zeugenaussage von Kellerman entlastet. Kellerman sorgt ebenfalls dafür, dass Lincoln entlastet wird. Nachdem es zum Wiedersehen kommt, hofft der Zuschauer auf ein Happy End - doch vergebens: Durch einen Schachzug von Michaels Gegenspieler Mahone landen Michael wie auch Mahone, der wiederum von Michael gelinkt wird, Bellick und T-Bag in Sona, einen panamesischen Knast, der nicht gerade einladend wirkt. Und nun liegt es diesmal an Linc, Michael zu befreien...
Sucre, Kellerman und Co. : Altbekannte Gesichter
Neben dem Werdegang der Brüder und Sarah begleiten wir auch die übrigen ,,Fox River 8" auf ihrem Weg in die Freiheit (wobei sich die verschiedenen Handlungsstränge überschneiden, insbesondere bei dem Suchen des Geldes). Der Zuschauer muss gleich zu Beginn der Staffel einige Wehrmutstropfen hinnehmen, als John Abruzzi, den sicher einige Zuschauer aufgrund seiner Coolness und seines Mafiahintergrundes zu ihren Favoriten zählen dürften, stirbt. Tweener stirbt ebenfalls, wie Abruzzi, durch die Waffe von Mahone. Auch Haywire, der durch seine Geisteskrankheit zu den humorvollen Charakteren zählt, stirbt. Und der Zuschauer muss schmunzelnd hinnehmen, dass er es leider nicht schafft, mit einem Floß nach Holland zu fahren.
Auch C-Note verabschiedet sich aus der Serie, jedoch mit einem Happy End. Nach einigen Höhen und Tiefen, schafft er es am Ende doch noch, mit seiner Frau und seinem Kind ein neues Leben anzufangen, da er Mahone an die interne Ermittlung des FBI verpfeift. Für Sucre- und T-Bag-Sympathisanten bleibt es dagegen weiter spannend.
Mit Sucre hoffen wir über die gesamte Staffel hinweg, dass er seine Maricruz wieder in die Arme schließen kann, was auch gelingt. Bellick, der nach einem Knastaufenthalt von Mahone „befördert" wird, weiß dieses Glück aber schnell wieder zu zerstören. So ist Sucre weiter auf der Suche nach Maricruz, allerdings hat er nicht mehr unbegrenzt Zeit...wird er sie vor ihrem Tod finden? Dazu braucht er die Hilfe von Bellick: Doch dieser sitzt mitlerweile auch in Sona ein.
Von T-Bag ist der Zuschauer fasziniert; Leichen pflastern seinen Weg, tötet er doch zunächst einen Tierarzt, der seine Hand neu annäht (diese hatte Abruzzi ihm vorher abgeschlagen), später einen Mann in einer Bar, um an eine Prothese zu kommen, den früheren Gefängnis-Aufseher Geary, da er T-Bag die 5 Millionen Dollar abnahm (die er vorher geschickt Michael und Sucre abluchste), und schließlich eine Prostituierte, da sie sich weigerte seine frühere Freundin Susan zu „spielen". Im Verlauf der 2. Staffel lernen wir T-Bag aber auch anders kennen: Er kidnappt seine frühere Freundin inklusive Familie, lässt sie kurz darauf aber frei.
Während dieser Zeit sehen wir das Haus aus seiner Kindheit und durch ein Flashback auch in psychische Abgründe: Bagwell war ein intelligentes Kind gewesen, welches allerdings in einem kaputten Umfeld aufwuchs und von seinem Vater missbraucht wurde. Es kommt beim Zuschauer doch tatsächlich so etwas wie Mitleid auf.
Auch von Kellerman sehen wir auf einmal eine menschliche Seite. Fiel er doch vorher nur als eiskalter Killer auf, zeigt er nach dem Verlust seines Jobs wahre Gefühle, will sich sogar umbringen, da er vor dem Nichts steht. Er sucht nach langer Zeit den Kontakt zu seiner Schwester und tut danach das einzig richtige.
Mahone und Konsorten: Neue Bösewichte
Da Prison Break eine facettenreiche Serie ist, verfolgen wir nicht nur die alten Schicksale, sondern es kommen neue, markante Charaktere hinzu - allen voran Alexander Mahone. Der FBI-Agent ist dafür zuständig, die 8 wieder hinter Schloss und Riegel zu Bringen. Der erste Eindruck, den der Zuschauer gewinnt, ist, dass der geniale Michael in Mahone einen ebenbürtigen Gegner gefunden haben könnte, da Mahone ein richtiges „Brain" zu sein scheint, das wie eine Maschine arbeitet. Doch nach und nach offenbart Mahone seine menschliche Seite mit Schwächen, da er von Psychopharmaka abhängig ist, Frau und Kind verloren hat, und sich zu ihnen zurücksehnt, weshalb er sich der Company verkauft.
Seinen Auftrag, alle der ,,Fox River 8" umzubringen, kann er erfolgreich bei John Abruzzi, Tweener und Haywire umsetzen - doch an C-Note scheitert er. Dieser sagt gegen ihn aus - nun steht Mahone mit dem Rücken zur Wand, da ihm eine Inhaftierung droht. Er hat nun keine Wahl und folgt Michael nach Panama - das Ende vom Lied ist, dass er, wie auch Michael, im Gefängnis landet.
Hier zu erwähnen wäre noch Bill Kim, der in der 2. Staffel aufgrund von Kellermans Versagen ins Spiel kommt. Er gibt nun die Anweisungen an Mahone. Diesen schmierigen Typen hasst der Zuschauer sofort aufgrund seiner Art und Weise. Viele wünschten ihm von Anfang an sofort den Tod, doch darauf musste man bis zum Ende der Staffel warten.
In Staffel 2 lernen wir auch Kims Vorgesetzten kennen;Vermutlich aus Paranoia davor abgehört zu werden, sagt dieser kein Wort sondern beschränkt sich aufs Schreiben. Er verfasst alle seine Anweisungen auf kleinen Zetteln. Erst am Ende kommt er zu Wort - und scheint sich zum Oberbösewicht zu entwickeln.
Abschließendes Resumée
Ich muss zugeben, als ich Michael und Sarah sich so in die Arme schließen sah, wollte ich ein Happy End haben. Ich wollte, dass es endlich zu Ende geht und habe mich geärgert, als Michael dann noch ins Gefängnis musste. Dann habe ich das panamesische Gefängnis gesehen und anschließend den Trailer zur 3. Staffel und ich muss sagen: Ich bin richtig heiß auf diese 13 Folgen (durch den Streik der Drehbuchautoren sind es ja leider nicht mehr geworden), denn Prison Break ist eine einzigartige Serie, die eine Menge starker Schauspieler hervorgebracht hat, mit denen sich der Zuschauer identifiziert.
Ist die Serie realistisch? Natürlich ist sie es nicht, aber wen interessiert´s; Diese Art riesige Verschwörung bietet eine Menge Geheimnisse! Dies und die vielen Wendungen lassen den Zuschauer jeden Moment lang mit ihren Lieblingen Michael, Lincoln, Sara, Sucre und co. mitzittern. Da kann man sogar das leicht improvisierte Staffelfinale (was dadurch bedingt ist, dass ursprünglich nur 2 Staffeln geplant waren) verschmerzen.
Einziger großer Nachteil der Serie: Durch die Story ist es bedingt, dass die Serie irgendwann (wohl nach der 4. Staffel) zu Ende gehen muss. Schade! Wie kann man eine starke Serie noch besser machen? Diese Frage stellten sich sicherlich auch Frank T. Scheuring und sein Team von Prison Break nach einer sehr gelungenen 1. Staffel. Und man konstatiert: Sie konnten sie beantworten.
Johannes Palm (Joninho) - Serienfanatiker
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